Allianzen-Bündnisse-Koalitionen

Komplizen-mediationWie entlastend, nach einem heftigen, verletzenden Streit sich dem besten Freund, der besten Freundin anzuvertrauen. Seinen Kummer mit jemandem teilen, sich ausheulen, auf Mitgefühl und Verständnis für die eigene Positionen hoffen. Doch ist es wirklich sinnvoll, einen bis dahin unbeteiligten Dritten in den Konflikt mit einzubeziehen?

Wir sind soziale Wesen, alles Dasein ist Bezogenheit. Das bedeutet, dass das Wichtigste im Leben eines Menschen die Verbundenheit mit anderen ist. Sich Streiten bedroht dieses Miteinander. Deswegen stellen wir sicher, dass es neben unserem Partner oder der Familie, noch andere Menschen gibt, die sich uns zugehörig fühlen. Das ist auch o.k. und konstruktiv,  denn es ist wichtig problematische Erfahrungen auszusprechen, wenn wir sie schon nicht lösen können. Vielleicht findet sich die Lösung später oder eben im Gespräch.

Allerdings übertreiben wir, wenn wir nicht nur erwarten, dass unser Gegenüber uns anhört, sondern auch unsere Überzeugungen teilen soll. Sie können nachvollziehen: Die Dynamik des Konflikts mit dem Partner verschärft sich in solchen Fällen meist. Denn solch eine Strategie – Komplizen, Mitstreiter, Alliierte für die eigenen Interessen zu suchen –  kann den Konflikt mit dem Partner auf keinen Fall lösen oder einen Streit beenden. Im Gegenteil, der Respekt dem Partner gegenüber geht verloren, man spricht schlecht über die Person, die man eigentlich liebt und es ist auch nicht klar, was denn mit den anvertrauten Informationen geschieht.

Unsere Freunde sind loyal, es ist meist sehr leicht, die Freunde für die eigenen Ziele zu gewinnen. Manchmal genügt es schon, dass die gemeinsam gemachten schlechten Erfahrungen bzgl. des anderen Geschlechts als Grundlage von Koalitionsvereinbarungen dienen.

Können die Freunde nicht mehr helfen oder verweigern diese den Wehrdienst, können immer noch professionelle Alliierte um Hilfe angerufen werden. Die Berater und Anwälte, Leute, die Partei ergreifen. Wir suchen dann nach hochqualifizierten Verbündeten nach sogenannten Professionellen oder vielleicht sogar nach bereits bestehenden Bündnissen, die uns in unserer Haltung bestätigen, uns Recht geben und somit die Kampfbereitschaft erhöhen. Das ist übrigens gerade die Kunst des Mediators – der sich auch zu den Professionellen zählt – sich eben nicht für eine Seite stark zu machen, sondern die Interessen des Paares oder eines Systems herauszuarbeiten und neutral gegenüber den Beteiligten zu bleiben.

Durch das Einbeziehen von Mitstreitern vermehren wir eigentlich nur unsere Machtfülle und lösen keine Probleme mehr und spätestens an dieser Stelle sollten wir uns eingestehen: Wir sind zu schwach und fühlen uns zu klein, dem Partner auf Augenhöhe zu begegnen, sich mit ihm oder ihr konstruktiv auseinanderzusetzen. Möglicherweise sind wir aber überhaupt nicht an einer Lösung eines Konflikts interessiert, sondern möchten fortfahren das Gegenüber zu demütigen, auszugrenzen, zu vernichten. So weit sollten Sie es nicht kommen lassen, denn Kriegserklärungen können unmittelbar auch zur Selbstzerstörung führen, vor allem wenn Sie sich in einer weniger machtvollen Position befinden.

Vermeiden Sie es also Bündnisse zu bilden, sondern beschränken Sie die Rolle des Angerufenen darin, dass er Ihnen zuhört und sich Zeit nimmt, vielleicht sogar die Situation beruhigt, Ideen und Anregungen schenkt, einfühlsam und zugewandt ist. Suchen Sie Jemanden, der Sie dabei ermutigt das Gespräch mit dem Partner zu suchen und Ihnen die Verantwortung für eine erfolgreiche Konfliktlösung wieder zurückgibt.

Mediation möchte diese Probleme, die durch einen Dritten entstehen können vermeiden. Sie konnte sich als Methode in unserer Gesellschaft etablieren, weil sie die Interessen der Einzelnen wahrt, die Bedürfnisse aller Beteiligten ernst nimmt und nicht urteilt. Ihr Ziel ist es, die am Streit Beteiligten wieder auf Augenhöhe zu führen und Lösungen zu finden, die allen gut tun.

Literaturtipp:

Peter – Sloterdijk: Zorn und Zeit – Politisch-psychologischer Versuch (suhrkamp taschenbuch)

Gerhard Schwarz: Konfliktmanagement: Konflikte erkennen, analysieren, lösen (Gabler Verlag)

 

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